Art Journal – kreative Entfaltung

Unser kreatives Potential steckt an jedem Tag in jedem von uns. Wir müssen es nur zulassen. Mancher muss etwas tiefer graben, für andere ist es ein fester Bestandteil des Alltages. Übung macht ja bekanntlich den Meister. Daher ist das Führen eines Artjournals die ideale Form, das persönliche Potential zu entfalten, unsere eigene Kreativität zur Gewohnheit zu machen.

Was ist ein Artjournal? Eine eindeutige Definition hierfür zu finden ist schwierig. Übersetzt heißt es nichts anderes als ein künstlerisch geführtes Tagebuch. Die Form ist völlig frei, ebenso der Turnus für die Einträge. Tagebuch heißt also nicht zwangsläufig täglich darin zu arbeiten. Wer sich darin üben möchte, mehr Kreativität in seinen Alltag zu integrieren, dem empfehle ich einen festen Rhythmus. Das sollte anfangs tatsächlich täglich sein, um die Gewohnheit zu installieren. Jeder hat die Wahl, ein einfaches Heft, ein Notizbuch, ein Skizzenbuch oder einen Kalender zu gestalten. Alles ist erlaubt, beachten sollte man lediglich, dass ein Heft oder Buch, das wir gerne zur Hand nehmen, die Motivation regelmäßig darin zu arbeiten, enorm steigern kann. Wer von Beginn an eine klare Vorstellung davon hat, welche künstlerischen Techniken in seinem Journal Eingang finden werden, kann bei der Auswahl die Papierstärke berücksichtigen. In einem Schulheft beispielsweise drücken Filzstifte durch das Papier und Aquarellfarben weichen die Seiten sofort durch. Die beste Wahl zu Beginn ist ein ganz normales Skizzenbuch. Bei der Gestaltung gibt es keine Regeln, alles ist erlaubt, alles darf probiert werden, egal ob nur ein Text, eine Zeichnung, ein Bild, eine Collage oder ein Mix aus allem. Wichtig ist allein, je mehr Aufmerksamkeit ich meinem Journal widme, umso mehr wird meine Aufmerksamkeit geschärft.

Ein illustriertes Journal wird ein Begleiter, ein Lehrer aber auch ein Spiegel sein, der uns zeigt, wie die Welt im Ganzen ist und wie wir sie sehen.

Bereits 15 000 Jahre vor unserer Zeit bildeten die Menschen in Höhlenzeichnungen das ab, was sie bewegte oder was sie mitteilen wollten. Aus dem weiteren Verlauf der Kunstgeschichte sind uns Beispiele bekannt, wie die Menschen ihre Erlebnisse und Träume mit mehr oder weniger einfachen Mitteln künstlerisch festgehalten haben. Heute haben viele Menschen die Wahl ihrer Mittel. Im Wandel der Zeiten haben sich auch die Beweggründe geändert, aus denen man sich einem Journal zuwendet. Aus ihrer Vielzahl habe ich die für mich wichtigsten Vorteile herausgefiltert:

  • Zeit mit mir selbst verbringen, sich Zeit für mich selbst nehmen ist ein wichtiger Aspekt der Selbstfürsorge. Der achtsame Umgang sich selbst gegenüber stärkt die physische und psychische Gesundheit.
  • Wer die eigenen Gedanken notiert, wird gelassener und bewusster. Das schließt selbstverständlich die Illustration unserer Gedanken ein. Eine entspannte Auseinandersetzung mit den Themen unserer Gegenwart und die konzentrierte Wahrnehmung unserer Umwelt hilft, diese verrückte Welt friedlicher zu machen.
  • Zeichnen lernen heißt sehen lernen. Wir schärfen unseren Blick für das Wesentliche und befähigen uns damit selbst, die Perspektive zu wechseln, beim Zeichnen wie im Leben.
  • Auch wenn man sich selbst nicht als Künstler sieht, so geben wir dem Künstler, der in jedem von uns steckt, genau die Projektionsfläche, die er verdient. Die Bühne/Galerie hat genau die Maße, die unsere individuelle Kreativität benötigt.
  • Wir geben uns selbst die Gelegenheit, zu lernen, auszuprobieren und uns zu entwickeln. Diesen Prozess zu begleiten und zu gestalten gibt uns lebensnotwendige Energie. Der Weg ist das Ziel und führt uns zur Erkenntnis.

Im Folgenden zeige ich nun die Entstehung einer Journalseite Schritt für Schritt:

Ich verwende hier das Classic Artist’s Journal von Fabriano (192 Seiten;90g).

Zuerst zeichne ich mit Bleistift vor. Ich platziere einen herzförmigen Umriss.

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In diesen Umriss skizziere ich ein Gesicht.

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Um das Herz gestalte ich jetzt Blütenblätter.

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Im nächsten Schritt beginne ich mit Aquarellbuntstiften die vorgezeichneten Motive auszumalen.

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Die Blütenblätter gestalte ich mit jeweils drei Tönen einer Farbe.

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Nachdem ich alle Flächen farbig gestaltet habe, werden diese nach und nach mit einem Pinsel und klarem Wasser vermalt. Sie Struktur der Stifte bleibt dabei erhalten, bekommt aber dazu einen weichen verwischten Effekt.

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Wenn die Farben getrocknet ist, schreibe ich mit einem wasserfesten Fineliner meinen Text in das Bild.

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Fertig.

Das Thema Art Journal ist schier unerschöpflich, das kann hier nur als allgemeine Betrachtung angerissen werden. Künftig werde ich es hier immer mal wieder aufgreifen, einfach weil es so viel kreatives Potential hat und weil es jederzeit Spaß macht.

Nun lasst euch inspirieren, von meinem Beispiel oder von dem, was euch umgibt. Für den Anfang reicht ein Skizzenbuch und Stifte. Die Ideen kommen beim Machen, und Übung macht den Meister.

Meine Inspirationsfavoriten:

 

 

 

 

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